Was ist Yoga

Auf Sanskrit hat das Wort Yoga mehrere Bedeutungen:
Vereinigung, Verschmelzung, Fusion, Einswerdung

Es hat den gleichen Wortstamm wie das Wort 'Joch'.
Ein Joch verbindet zwei gegensätzliche Pole um ein Gleichgewicht zu schaffen.

Philosophiesystem

Yoga ist ein traditionelles, theoretisches und praktisches System der Philosophie, das in Indien vor Tausenden von Jahren aufgrund von direkten Erfahrungen erarbeitet wurde. Diese Erfahrungen wurden vom Weisen Patanjali in seinem berühmten Werk "Yoga-Sutra" unter der Form von Aphorismen und knappen Aussagen zusammengefasst und so bis in die heutigen Tage überliefert.

Vollkommenheit spüren im Yoga Vidya Zentrum Bamberg

 

Vollkommenheit

Im Yoga werden Wege und Methoden gezeigt, die es ermöglichen, eine vollkommene Existenz durch die Beherrschung bestimmter Funktionen, Energien und subtiler Elemente, Bestandteile der spirituellen, mentalen, psychischen und physischen Natur des Menschen, zu erlangen.

 

Zweck des Yogas

Der Zweck des Yoga-Systems ist letztendlich die allmähliche Bewusstwerdung und Offenbarung des göttlichen Funken, der in jedem Menschen existiert, die Rückkehr zum Zustand der völligen Freiheit und das Erleben eines äußerst umfangreichen und seligen Bewusstseinszustandes, der im Yoga unter dem Namen SAMADHI bekannt ist.

 

  1. Samadhi
    Durch das Erreichen des SAMADHI-Zustandes, der unendlichen Ekstase, erhält der Yogi die Bestätigung seiner Vollendung, der unbeschreiblichen Verschmelzung seines eigenen Wesens mit dem universellen, makrokosmischen Wesen.

  2. Selbsterkenntnis
    Yoga bezweckt also das Vertiefen der Selbstkenntnis, die Bewusstmachung der ungeahnten Fähigkeiten, die weise Verwendung aller verborgenen Mittel des Wesens, um sich schließlich des göttlichen, unsterblichen Selbst (ATMAN) bewusst zu werden. Dieses höchste Selbst, das als stummer Beobachter im Menschen gegenwärtig ist, wird von den Wechselwirkungen mit dem persönlichen, vergänglichen, begrenzten und nur auf sich bedachten Ich (Ego) befreit.

  3. Energie des Universums
    Durch das Erreichen der Vollendung in der Ausübung verschiedener Yoga-Techniken kommt der beharrlich Übende zu einer direkten, unausdrücklichen Erkenntnis. Er erlangt die Möglichkeit bewusst und aus freiem Willen mit verschiedenen, verborgenen Energien des Universums verschmelzen zu können, was ihm Kräfte verleiht, die er sehr leicht auf jedem Gebiet für außergewöhnliche wohltuende, positive Verwirklichungen einsetzen kann.

 

Die sechs Hauptrichtungen des Yogas

Die vier Hauptyogawege sind Karma Yoga, Bhakti Yoga, Raja Yoga und Jnana Yoga. Der Raja Yoga beinhaltet als Unterwege den Kundalini Yoga und den Hatha Yoga, so daß man auch von sechs Yogawegen sprechen kann.

Alle Yogawege greifen letztendlich ineinander über, ergänzen sich und bewirken insgesamt eine positive Veränderung im Lebensstil, Lebensgefühl und der Persönlichkeitsentwicklung. Sie bringen im Menschen alle verborgenen Talente und Fähigkeit zur Entfaltung. Yoga insgesamt führt zu mehr Gesundheit, Lebgensfreude, Zufriedenheit und Erfolg in Beruf, Partnerschaft und zwischenmenschlichen Beziehungen.
 

 

  1. Karma Yoga
    der Yoga der Tat und des selbstlosen Handelns
     
    Karma Yoga heißt einerseits, daß man die zusätzliche Energie, Achtsamkeit, Konzentrationsfähigkeit, Gelassenheit und Belastbarkeit, die man aus den anderen Yogawegen gewinnt, nutzbringend für sich, seine Mitmenschen und die ganze Gesellschaft in das tägliche Leben einbringt.
     
    Es bedeutet auch Pflichterfüllung in dem Sinn, daß man seine Kraft und sein Können bestmöglichst einsetzt, einfach weil gewisse Aufgaben und Pflichten erfüllt werden müssen. Und andererseits bedeutet es selbstloses Handeln im Sinne von Dienst am Mitmenschen, Nächstenliebe, Hilfe, ohne eine Gegenleistung oder Belohnung dafür zu erwarten. Aufgaben werden als Chance angesehen, daraus zu lernen und zu wachsen.
     
  2. Bhakti Yoga
    der Yoga der Liebe und Hingabe
     
    Bhakti Yoga ist aber auch eine grundsätzliche Haltung des Wohlwollens und der Liebe gegenüber allen Menschen und Dingen.
     
    Bhakti Yoga wirkt eher auf der Gefühlsebene und ist eine sehr gute und wichtige Ergänzung zu der in unserer Kultur vorherrschenden Rationalität. Es ist eine innere Grundhaltung bedingungslosen Vertrauens und Loslassens, der Hingabe – Vertrauen in Gott oder Vertrauen darin, daß alles irgendwie schon seine Richtigkeit hat, daß auch die Dinge, die außerhalb des eigenen Einflußbereiches liegen, im Grunde genommen und letztlich gut sind.
     
    Es bedeutet in der Praxis, daß man sich durchaus bemüht, seine Aufgaben so gut wie möglich zu erfüllen und sein Möglichstes dafür tut oder daß man eine Entscheidung so gut wie möglich abwägt und dann nach bestem Wissen und Gewissen trifft, daß man aber letztendlich auch losläßt und erkennt, im Grunde genommen liegt vieles außerhalb meines Willens und es gibt eine höhere Macht, die letztendlich alles steuert und was auch immer kommen mag, es ist langfristig und von einer höheren Warte aus betrachtet gut und richtig.
     
    Bhakti Yoga wird stark entwickelt durch Mantrasingen, Gebet, Zeremonien und Rituale.
     
  3. Raja Yoga
    der Yoga der Geistesbeherrschung
     
    Die Raja Yoga Sutras von Patanjali geben Hilfen und Techniken für die Kontrolle des Geistes und Beherrschung sinnlicher Wünsche. Das Ziel ist ein Ruhigwerden des Geistes, eine verstärkte Innenschau ohne Ablenkung durch zahllose äußere Reize. Dazu gehören Techniken wie positivies Denken, Entwicklung von Konzentration und Achtsamkeit, Meditation.
     
    Das Ziel ist letztendlich, den inneren Pol in sich, die innere Quelle der Freude und des Glücks in sich selbst zu entdecken und zu erfahren und so zu erkennen, daß alles Vergnügen, die wir aus äußeren Objekten gewinnen können, vergänglich ist und niemals echtes, dauerhaftes Glück bringen kann.
     
  4. Kundalini Yoga
    der Yoga der Energieerweckung und –lenkung
     
    Im Kundalini-Yoga arbeitet man vor allem mit Atemtechniken (Pranayama), um die im Menschen schlafende kosmische Energie (Kundalini) zu aktivieren und zu höheren Bewußtseinszuständen zu gelangen. Die Nadis, die feinstofflichen Energiekanäle, werden gereinigt und die Energiezentren (Chakras) angeregt.
     
    Auch wenn es bei regelmäßiger Praxis der Übungen nicht bei jedem gleich zu einer spektakulären Energieerfahrung kommt, so bewirken die Praktiken doch in jedem Fall eine wesentliche Erhöhung des Energieniveaus, eine Vitalisierung und Aktivierung des ganzen Körper-/Geistsystems und eine neue, ungekannte Lebensqualität.
     
    Ein angenehmer Nebeneffekt ist meistens, daß man mit weniger Schlaf auskommt und so mehr Zeit entweder für Yogaübungen und Meditation oder für andere Aktivitäten gewinnt. Auch die Asanas (Körperstellungen) des Hatha Yoga helfen, den Energiefluß im Körper anzuregen und harmonisieren und die Chakren zu stimulieren.
     
  5. Hatha Yoga
    der Yoga der Körperstellungen
     
    Hatha Yoga hat zum Ziel, den Körper gesund und jung zu erhalten, da der Körper als Tempel der Seele, als unser Fahrzeug und Instrument angesehen wird, dessen wir uns bedienen müssen, um auf den anderen Yogawegen in Richtung auf das spirituelle Ziel, die Selbstverwirklichung, fortschreiten zu können.
     
    Dazu gehören fünf Hauptbereiche: Körperübungen (Asanas), Atemtechniken (Pranayama), Tiefenentspannung, Meditation und positives Denken bzw. positive Lebenseinstellung sowie eine gesunde, vollwertige, ausgewogene vegetarische Ernährung.
     
  6. Jnana Yoga
    der Yoga des Wissens
     
    Jnana Yoga ist die Auseinandersetzung mit grundlegenden Fragen wie „Was ist der Sinn des Lebens", „Wer bin ich", „Woher komme ich", „Wohin gehe ich", „Gibt es einen Gott" und so weiter. Antworten darauf geben die alten Schriften und indischen Philosophiesysteme. Die Vedanta-Philosophie ist eine nicht-dualistische Philosophie, eine Philosophie der Einheit.
     
    Sie kommt zu dem Schluß, daß alle Erscheinungen der Welt eigentlich unwirklich (Maya) sind, daß hinter allem ein einziges Absolutes (Brahman), ist, das alles umfaßt und das allem innewohnt. Es ist unendlich, unvergänglich und unveränderlich, nicht begrenzt durch Zeit und Raum. Wenn dieses eine Brahman – man könnte es auch Gott, kosmisches Prinzip, Weltseele, nennen -, in allem ist, dann ist es auch in mir selbst.
     
    Also bin ich in meinem tiefsten Inneren, in meiner Seele, ebenfalls Brahman. Und es ist auch jedem anderen Menschen und jedem anderen Wesen. Jeder Mensch und jedes Wesen ist Brahman. Das bedeutet, wir sind in unserem innersten Kern alle eins und wir sind ewiges Sat-Chit-Ananda, Sein, Wissen und Glückseligkeit.
     
    Dies intellektuell nachzuvollziehen und zu erkennen, ist das Hauptanliegen des Jnana Yoga. Aber er beschränkt sich nicht auf die rein rationale Verarbeitung. Dieses Wissen muß intuitiv erfahren und erkannt werden, weil es jenseits der Erfaßbarkeit durch den menschlichen Geist liegt. Und dieses intuitive Erfahren wird unterstützt durch die anderen Yogawege, vor allem den Raja und Bhakti Yoga.

 

Die besondere Form - der allumfassende 'Integrale Yoga

Yoga in der Definition von Swami Sivananda ist nicht etwas, was vom Alltagsleben getrennt ist oder sich vom weltlichen Leben abwendet, sondern Yoga in diesem Sinne ist ein Lebensstil, eine Spiritualisierung des täglichen Lebens.

 

Resümeé

So umfassen die sechs Yogawege tatsächlich alle Bereiche des täglichen Lebens, ergänzen sich gegenseitig und wirken in idealer Weise zusammen.
 
Da Menschen unterschiedlich sind, paßt dieselbe spirituelle Praxis nicht für alle. Es gibt Menschen, denen mehr der Raja Yoga liegt, andere fühlen sich eher zum Bhakti Yoga hingezogen, für wieder andere ist der Jnana Yoga der beste Zugang.
 
Man wird daher schwerpunktmäßig den Weg wählen, der der eigenen Persönlichkeitsstruktur am meisten entspricht, aber man sollte auch die anderen Wege gleichzeitig praktizieren und in sein Leben integrieren, so daß die persönliche Entwicklung nicht einseitig, sondern wirklich ganzheitlich und umfassend wird. Auch der spirituelle Fortschritt und die persönliche Evolution schreiten sehr viel schneller voran.